Hoodoos in Drumheller

Im wilden, wilden Westen

Bis zum Horizont: nichts. Außer ein paar Ölpumpen, deren Köpfe träge nickten, war das Bild der Prärie auf der Fahrt nach Drumheller zwischendurch nur durch ein paar Farmen neben der schnurgeraden Straße aufgelockert. Die erste Nacht habe ich auf dem einzigen schon im April geöffneten self-service Campground der Gegend, in Michichi, verbracht, etwa 30 Km vor Drumheller. Tagsüber 20°C, nachts Minusgrade, aber mein Schlafsack hat mich warmgehalten und das Zelt trotzte den Präriewinden.

Freitag bin ich morgens in die Stadt gefahren, die im Canyon des Red Deer River liegt. Die Touristeninfo neben dem weltgrößten Dinosaurier machte erst um 10 Uhr auf. Also bin ich erst mal Proviant einkaufen gegangen: Meine Ernährung bestand hauptsächlich aus Keksen und Marmeladenbaguette. In der Info erhielt ich eine lokale Karte und einen Stempel auf die Hand, dass ich den Dino hinaufsteigen durfte. Nachdem das erledigt war, bin ich die Sehenswürdigkeiten-Straßen abgefahren. Zunächst den „Hoodoos Trail“. Dort überquerte ich eine atemberaubende Hängebrücke zu den Resten einer Kohlemine, besichtigte Hoodoos (Sandsteinsäulen mit Hut), schaute mir die verlassene Atlas-Kohlemine an und fuhr die Straße der „elf Brücken nach Wayne“ entlang.

Anschließend fuhr ich den North Dinosaur Trail zum Horsethief Canyon. Da es bereits Nachmittag war und die Zeltplätze alle geschlossen hatten, habe ich den Rucksack aufgeschnallt, bin in den Canyon hinabgestiegen und habe mein Zelt nach wenigen Kilometern aufgeschlagen. Unterwegs wurde ich kritisch von Präriehunden beäugt, die immer wieder Warnpfiffe von sich gaben. Den ganzen Abend über tröteten Wildgänse über meinem Zelt hinweg, aber als ich schlafen wollte, waren auch sie still.

Am nächsten Morgen habe ich noch ein wenig den Canyon durchwandert und bin dann zurück zum Auto. Am Samstag stand der Besuch des „Tyrell Museum of Palaeontology“ auf dem Programm. Auf dem Weg dorthin habe ich nach der „Little Church“ gesucht, von der aber nur noch die Grundmauern standen. Das Museum entsprach eher weniger meinem Museumsgeschmack. Die Dinoskelette waren zwar beeindruckend und nett drapiert und die Infotexte nicht uninteressant, aber das Museum hat sich offensichtlich auf Familien mit Kindern spezialisiert. Doch leider lassen sich Kinder von Dinoskeletten heutzutage nicht die Sprache verschlagen oder werden von ihrem Anblick gefesselt. Das hat dazu geführt, dass viele laut brüllend durch die Gegend gerannt sind. Hinzu kamen Touristen, die mit ihren Handys Videos für ihre sozialen Netzwerke gedreht haben, in denen sie natürlich möglichst dümmliche Kommentare abgeben mussten. Immerhin kann ich jetzt die meisten Erdzeitalter einordnen (da helfen Griechischkenntnisse!) und weiß, dass das Mesozoikum in Trias, Jura und Kreide eingeteilt wird.

Am Samstagabend bin ich dann noch durch den Horseshoe Canyon gewandert, der fast noch schöner war als der Horsethief Canyon. Mein Zelt habe ich aber nicht mehr aufgeschlagen, sondern bin in der Nacht zurückgekehrt, damit ich nicht den Sonntag verfahren muss. Außerdem gab es nirgends fließendes Wasser, was langsam etwas unangenehm wurde, und die ganze Zeit volle Kanister durch die Landschaft schleppen wollte ich nicht. Dafür kann ich euch heute schon mit meinem Bericht und mit Fotos erfreuen!

2 thoughts on “Im wilden, wilden Westen”

  1. Brave Wildgänse 🙂
    Gibt’s von den Bildern bald mehr zu sehen? Will ich deine Galerie öffnen, so nimmt mein PC Ähnlichkeit von versteinerten Dinoknochen an…

    1. Da musst Du eine Weile warten. Das supergeschwindigkeitoptimierte Galerie-Plugin braucht beim ersten Laden der Bilder immer recht ewig. Die Bilddateien sind auch verhältnismäßig groß …

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