Sieben Gottesdienste in vier Tagen sind eine ganze Menge, was mich leider gehindert hat, hier weiter Beiträge zu verfassen. Deshalb eine Kurzfassung der Höhepunkte:
Dienstagabend: Passionsmusical in der Mill Woods Pentecostal Church. Ein von der Gemeinde sehr professionell und ansprechend gestaltetes Musical. Es war die letzte Vorstellung des Lebens und des Leidens Jesu, nichtsdestotrotz war die Kirche mit ihren ca. 1500 Plätzen gut gefüllt. Der Jesus wirkte zwar etwas zu eingebildet und wohlgenährt, um zu einem der bekannten Schemata der Darstellungen Jesu zu passen, hat aber gut gespielt. Musik und Gesang waren super. Alle Mitwirkenden waren Gemeindeglieder – allein mit denen, die auf der Bühne standen, hätte man andernorts zwei Gemeinden füllen können. Ein Pfarrer hielt anschließend eine freundliche, einladende und unaufdringliche Ansprache. Ja, es gibt einige Dinge, die man sich bei „Pfingstlern“ durchaus mal abschauen kann.
Gründonnerstagabend: Gottesdienst in der Holy Trinity Anglican Church. Ein großartiges Essen für alle Teilnehmer leitete den Abend und in das Triduum Sacrum ein. Nach dem Essen fand der Gottesdienst mit Fußwaschung statt bei dem ich die Predigt hielt. Anschließend ging es ins Kirchenschiff, wo zu meiner Freude ein hochliturgisches Abendmahl mit gesungener Präfation gefeiert wurde. Schließlich wurde der Altar abgedeckt und alles Licht in der Kirche gelöscht. Ja, so sollte man den Gründonnerstag begehen.
Karfreitag: Gottesdienst mit szenischer Lesung der Passionsgeschichte. Am zweiten der „drei Heiligen Tage“ fanden zwei Gottesdienste, ein deutscher und ein englischer statt. Bei der Lesung der Passionsgeschichte übernahm ich die Rolle von Pilatus. Zwischen den Gottesdiensten lag noch ein Hausbesuch bei einem bettlägerigen Gemeindeglied. Solch eine Freude über Hausbesuche des Pastors wie hier, habe ich in Deutschland bislang noch nicht kennengelernt.
Karsamstag: Easter Vigil der Jugend von Trinity und Blobtag. Mit viel Musik, Spaß und guten Gedanken feierten die Jugendlichen der Gemeinde die Osterwache. Dort wurden natürlich auch die Filme gezeigt, die sie vor zwei Wochen gedreht hatten und die sehr zur Erheiterung der Gottesdienstteilnehmer beitrugen. Nach der zweieinhalbstündigen Osterwache folgte das Nachtprogramm: Die Jugendlichen haben im Gemeindehaus übernachtet (was natürlich nicht heißt, dass sie dort geschlafen haben). Beim ersten Spiel war ich noch dabei: Blobtag. Im gesamten verwinkelten Gebäude werden die Lichter ausgeschaltet. Der „Blob“ versteckt vier Teile einer größeren Taschenlampe irgendwo im Gebäude. Alle anderen müssen anschließend innerhalb von 90 Minuten versuchen, diese vier Teile im dunklen Gebäude zu finden (sie dürfen eigene Taschenlampen und Handys verwenden), zusammenzusetzen und den Blob damit anzustrahlen. Gelingt ihnen das, haben sie gewonnen, andernfalls gewinnt der Blob. Der Blob versucht in der Zwischenzeit, die Sucher zu fangen. Wer abgeschlagen wird, kommt ins „Gefängnis“, aus dem er nur dann nach zwei Minuten wieder entkommt, wenn er eine Quizfrage richtig beantwortet. In letzter Minute gelang es uns Suchern, den Blob zu stellen.
Ostersonntag: Sonrise Service und Ostergottesdienste. Mein Schlafmangel führte dazu, dass ich von den Gottesdiensten nicht mehr allzu viel bewusst mitbekam. Um 7 Uhr morgens begann der Ostermorgengottesdienst („Osternacht“ wäre um die Uhrzeit schon etwas unpassend). Auch hier nahmen die Jugendlichen mit einer pantomimischen Darstellung und musikalischen Einlagen eine tragende Rolle ein. Anschließend gab es ein ausführliches leckeres Osterfrühstück mit einer Osterlamm-Tombola. Der deutsche und der englische Gottesdienst waren voller Musik, heiter und ausgelassen und ein gelungener Abschluss des Ostersonntags.
Ostermontag: Pastorenbrunch mit Churchtalk. Zugegeben, nicht alle sechs Teilnehmer des Brunches waren Pastoren (oder auch nur angehende), aber das Essen war phantastisch. Im Gespräch ging es zum Beispiel darum, inwiefern das Sprechen einer Fremdsprache einen Einfluss auf die Persönlichkeit ausübt. Außerdem viel um Kirche, Liturgie, Gemeindeverständnis … Pastorenthemen eben. Unter anderem um die spannende Frage: Sind Ablaufzettel im Gottesdienst sinnvoll oder schaden sie sogar? Wer bis hierhin gelesen hat und sich bemüßigt fühlt, kann gerne dazu Stellung nehmen! Auf der Pro-Seite gab es die Argumente: Sie helfen ungeübten Gottesdienstteilnehmern, der Liturgie zu folgen. Auf der Kontra-Seite wurde dagegengehalten: Der Orientierungsnutzen ist zweifelhaft, die Augen kleben am Papier, statt sich auf das Geschehen zu richten, das Gefühl der Spontaneität und des persönlichen Durch-den-Gottesdienst-geleitet-Werdens geht abhanden, Papierrascheln, Baumleichen, Kosten. Meine Position geht schon seit längerem deutlich gegen einen allsonntäglichen papiernen Gottesdienstablauf, wie er in vielen Gemeinden in Berlin gerade üblich wird.
Heute: frei! Zeit auszuschlafen, Pfannkuchen zu braten, E-Mails zu beantworten, Wäsche zu waschen, diesen Blog zu schreiben und heute Abend einer Einladung zu Reiner und Amy nachzukommen, die mich zum Abendessen+Schachspiel eingeladen haben. Habe auch schon überlegt, ob ich mir ein Schachturnier in raussuche. Das hier klingt doch ganz spannend, oder?