Edmonton war nicht mehr so sehr in Aufruhr gewesen, seit die Stahlträger sich auf wundersame Weise von selbst verbogen haben: Die Leichenblume hatte letzten Dienstag begonnen zu blühen!
„Leichenblume“ ist die wörtliche Übersetzung des englischen Namens „corpse flower“. Der botanische Name lautet „Amorphophallus titanum“, im Deutschen „Titanenwurz“. Diese Pflanze ist ein seltenes Gewächs, dessen übelstinkende Blüte bis zu drei Meter hoch werden kann. Sie trägt damit die größte Blüte im ganzen Pflanzenreich überhaupt. Das Pflänzlein blüht jedoch nur alle vier bis sieben Jahre – in der Regel. Hier in Edmonton hat sich Putrella (so ihr Rufname) aber anscheinend so wohl gefühlt, dass sie sich bereits nach zwei Jahren bemüßigt gefühlt hat, der Welt erneut ihren Odeur mitzuteilen.
Wer sich einmal von Putrella die Nase beleidigen lassen wollte, musste sich beeilen. Die Blüte währt nur zwei Tage. Das Muttart Conservatory, das für die Pflege zuständig ist, hat deshalb angekündigt, seine Pforten während der Blüte 24 Stunden zu öffnen, um den Besuchermassen die ersehnte Audienz (oder besser: Olienz) zu ermöglichen.
Eigentlich wollte ich die stinkende Hässlichkeit ebenfalls besuchen. Aber da ich leider die Fehlinformation hatte, dass das Muttart Conservatory auch am Mittwoch 24 Stunden geöffnet sei, kam ich erst eine halbe Stunde nach der Schließung dort an. Während ich ein paar Fotos von den blauen Pyramiden des Conservatorys geschossen habe, habe ich noch einige andere getroffen, denen es genauso ergangen war wie mir.
Dafür habe ich Donnerstag Karten für ein Konzert des Edmonton Symphony Orchestra am Freitagabend geschenkt bekommen! Aufgeführt wurden „Drei russische Volkslieder“ von Sergej Rachmaninow, „Stabat Mater“ von Francis Poulenc und „Der wunderbare Mandarin“ als Pantomime mit Orchesterbegleitung, komponiert von Béla Bartók. Ein tolles Orchester und ein großartiges Konzert!
Die „Leichenblume“ gedeiht übrigens auch in diversen botanischen Gärten in Deutschland unter anderen auch in Berlin. Es gibt also eine 2. Chance.
Danke für den Hinweis! Da bin ich beruhigt, dass ich vielleicht doch noch einmal in den Genuss einer Titanenwurz komme.