{"id":38,"date":"2015-03-21T06:46:01","date_gmt":"2015-03-21T05:46:01","guid":{"rendered":"http:\/\/fight-errorism.de\/kanada\/?p=38"},"modified":"2015-03-22T06:07:04","modified_gmt":"2015-03-22T05:07:04","slug":"wie-kann-es-sein-dass-ich-davon-gar-nichts-wusste","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/fight-errorism.de\/kanada\/wie-kann-es-sein-dass-ich-davon-gar-nichts-wusste\/","title":{"rendered":"&#8222;Wie kann es sein, dass ich davon gar nichts wusste?&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>Sie sind keine Indianer. Sie kommen nicht aus Indien und die meisten waren auch noch nie in Indien. Auch &#8222;Aborigines&#8220; ist als Bezeichnung kritisch, klingt es doch sehr nach &#8222;Abnormals&#8220;. &#8222;Indigenous&#8220; wollen sie genannt werden, die Ureinwohner von Kanada. In der gemeinsamen Geschichte der Indigenous mit den Europ\u00e4ern spielen letztere eine sehr unr\u00fchmliche Rolle, bis auf den heutigen Tag.<\/p>\n<p><!--more-->Die ersten Siedler aus Europa m\u00f6gen vielleicht noch mit guten Absichten nach Westkanada gekommen sein. Vor allem aber kamen sie mit Pocken und anderen Krankheiten, die innerhalb weniger Jahre des 19. Jahrhunderts mehr als die H\u00e4lfte der Indigenous in der Gegend hinwegrafften. Wer von ihnen die Krankheit \u00fcberlebte, dem stand eine Hungersnot bevor, da die meisten J\u00e4ger tot oder geschw\u00e4cht waren und die Nahrungsversorgung ausblieb.<\/p>\n<p>Die Siedler jagden und t\u00f6teten Millionen von Bisons, die Nahrungsgrundlage der Indigenous. Die Bisons starben Anfang des 20. Jahrhunderts aus. Den &#8222;Wilden&#8220; wurde ihr Land genommen. H\u00e4uptlinge, die sich mit den Siedlern gutstellten, konnten auf eine Karriere hoffen. Die anderen mussten sich mit dem zufrieden geben, was ihnen als Gegenwert angeboten wurde.<\/p>\n<p>Nun zum Thema des Abends: Dem &#8222;Wilden&#8220; sollte anschlie\u00dfend der Wilde ausgetrieben werden, er sollte &#8222;europ\u00e4isch&#8220; werden. Den Eltern wurden die Kinder weggenommen und auf &#8222;Residential Schools&#8220; geschickt, wo sie englisch sprechen, lesen, schreiben und eiserne Disziplin lernen sollten. Mehr noch als lernen sollten sie aber vergessen: Ihre Sprache, ihre Traditionen, ihre Kultur. Physischer und psychischer Missbrauch waren an der Tagesordnung. Die letzte der Residential Schools wurde in Alberta erst in den 1990er Jahren geschlossen.<\/p>\n<p>Beth Wishhart MacKenzie hat 2012\/13 einen Film \u00fcber Indigenous gedreht, die solche Residential Schools als gebrochene Menschen verlassen haben und nun versuchen, \u00fcber Gespr\u00e4chskreise und Betroffenengruppen die Traumata ihrer Vergangenheit zu verarbeiten, um ein gesundes Verh\u00e4ltnis zu ihrer indigenen Kultur und der gegenw\u00e4rtigen kanadischen Gesellschaft zu erlangen. &#8222;<a title=\"Trailer von &quot;Gently Whispering the Circle Back&quot;\" href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=8GuAVRFM1b4\" target=\"_blank\">Gently Whispering the Circle Back<\/a>&#8220; ist der Titel des Films, der heute Abend in der Trinity Lutheran Church gezeigt wurde. Charles Wood von der Saddle Lake Cree Nation sprach \u00fcber seine eigenen Erfahrungen in diesem Aufarbeitungsprozess. Vielen Besuchern war die Funktion der Residential Schools unbekannt: &#8222;Wie kann es sein, dass ich davon gar nichts wusste?&#8220;, war die entsetzte Frage eines Zuschauers bei der anschlie\u00dfenden Diskussion; er sei doch hier aufgewachsen und zur Schule gegangen, aber das sei nie Thema gewesen &#8230;<\/p>\n<p>PS: Bei dem Beitragsbild handelt es sich um Pfeilspitzen, die bei arch\u00e4ologischen Ausgrabungen in Kanada gefunden wurden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sie sind keine Indianer. Sie kommen nicht aus Indien und die meisten waren auch noch nie in Indien. Auch &#8222;Aborigines&#8220; ist als Bezeichnung kritisch, klingt es doch sehr nach &#8222;Abnormals&#8220;. &#8222;Indigenous&#8220; wollen sie genannt werden, die Ureinwohner von Kanada. 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