{"id":264,"date":"2015-04-28T02:35:11","date_gmt":"2015-04-28T00:35:11","guid":{"rendered":"http:\/\/fight-errorism.de\/kanada\/?p=264"},"modified":"2015-04-28T02:35:11","modified_gmt":"2015-04-28T00:35:11","slug":"predigt-zum-hirtensonntag-in-kanada-an-laudate-2015","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/fight-errorism.de\/kanada\/predigt-zum-hirtensonntag-in-kanada-an-laudate-2015\/","title":{"rendered":"Predigt zum Hirtensonntag (in Kanada an Laudate) 2015"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte l\u00e4sst sein Leben f\u00fcr die Schafe. Der Mietling aber, der nicht Hirte ist, dem die Schafe nicht geh\u00f6ren, sieht den Wolf kommen und verl\u00e4sst die Schafe und flieht &#8211; und der Wolf st\u00fcrzt sich auf die Schafe und zerstreut sie -, denn er ist ein Mietling und k\u00fcmmert sich nicht um die Schafe. Ich bin der gute Hirte und kenne die Meinen und die Meinen kennen mich, wie mich mein Vater kennt und ich kenne den Vater. Und ich lasse mein Leben f\u00fcr die Schafe. Und ich habe noch andere Schafe, die sind nicht aus diesem Stall; auch sie muss ich herf\u00fchren, und sie werden meine Stimme h\u00f6ren, und es wird &#8222;eine&#8220; Herde und &#8222;ein&#8220; Hirte werden. Darum liebt mich mein Vater, weil ich mein Leben lasse, dass ich&#8217;s wieder nehme. Niemand nimmt es von mir, sondern ich selber lasse es. Ich habe Macht, es zu lassen, und habe Macht, es wieder zu nehmen. Dies Gebot habe ich empfangen von meinem Vater. (Joh 10,11-18)<!--more--><\/p><\/blockquote>\n<p>Die Liebe Gottes, die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen.<\/p>\n<p>Liebe Schwestern und Br\u00fcder in Christus,<\/p>\n<p>wenn man das Evangelium von heute liest und schaut, wie es in der Welt heute aussieht, kann man schier verzweifeln! Von <i>einer <\/i>Herde spricht Jesus, deren Hirte er ist. <i>Ein <\/i>Stall, in dem seine Herde versammelt ist. Von Schafen, die ihren Hirten <i>kennen<\/i> und auf ihn <i>h\u00f6ren<\/i>. Dass es ihm mit diesem Anliegen todernst ist, hat er bewiesen &#8211; f\u00fcr seine <i>eine <\/i>Herde hat er sein Leben gelassen. Und jetzt? Was machen die Schafe, die ihren Sch\u00e4fer nicht mehr sehen k\u00f6nnen? Der Hirte hat seine Schafe nicht allein gelassen. Er hat ihnen seinen Geist gegeben, der sie leben l\u00e4sst, als w\u00e4re er sichtbar bei ihnen.<\/p>\n<p>Aber es ist zum Verzweifeln! Wir sehen viele Herden mit vielen Schafen, die in vielen St\u00e4llen wohnen. Sie weiden auf verschiedenen Wiesen, getrennt von Mauern, Grenzen, Z\u00e4unen aus Stacheldraht. Mit denen wollten sie sich eigentlich vor W\u00f6lfen sch\u00fctzen. Manche dieser Grenzen sind durchl\u00e4ssig, durch manche k\u00f6nnen sich die Schafe untereinander verst\u00e4ndigen und sogar gegenseitig besuchen. Andere Grenzen sind so verschlossen, dass man voneinander nichts h\u00f6rt und einander fremd ist. Die eine Herde ist gespalten. Die einen halten die anderen f\u00fcr W\u00f6lfe im Schafspelz. Andere laufen anderen Hirten nach. Die einen neiden den anderen das Gras. Das scheint auf deren Seite des Zaunes noch gr\u00fcner und frischer zu sein. Die anderen trauen sich nicht, aus ihrer Herde auszubrechen, aus Angst vor ihren Mitschafen.<\/p>\n<p>Es ist zum Verzweifeln! Die Schafe, die Jesus bei seinen Worten vor Augen hat, sind allzu menschlich. Menschen und Schafe kann man nicht vergleichen. <i>Ein Schaf<\/i> l\u00e4sst sich im 23. Psalm von Stecken und Stab tr\u00f6sten und Mut machen. <i>Ein Mensch<\/i> erh\u00f6ht beim Anblick von Stecken und Stab die R\u00fcstungsausgaben und erfindet neue Waffensysteme. <i>Ein Schaf<\/i> freut sich im 100. Psalm: \u201c<i>Gott<\/i> hat uns gemacht <i>und nicht wir selbst<\/i> zu seinem Volk und zu Schafen seiner Herde.\u201d <i>Ein Mensch<\/i> beschwert sich dar\u00fcber, dass er als Kind getauft wurde, ohne gefragt zu werden oder meint, jeder solle selbst entscheiden, ob er von Gott geliebt sein m\u00f6chte oder nicht. Wenn Jesus seine J\u00fcnger \u201cwie Schafe <i>unter die W\u00f6lfe<\/i>\u201d schickt, dann gehen sie auch \u201c<i>wie Schafe<\/i> unter die W\u00f6lfe\u201d. Wohin der Hirte schickt, da gehen die Schafe hin. Menschen w\u00fcrden das nicht tun. Sie w\u00fcrden sagen: Lieber Hirte, das geht zu weit, ich suche mir was anderes. <i>Schafe<\/i> kennen ihren Hirten und ihr Hirte kennt sie. <i>Menschen<\/i> haben Angst davor gekannt zu werden, sie haben Geheimnisse, sie handeln im Verborgenen, sie mauscheln, sie k\u00fcngeln und sie reden eher \u00fcbereinander als miteinander. Ein Hirte, der etwas zu sagen hat, sollte wenigstens nichts \u00fcber sie zu sagen haben.<\/p>\n<p>Da sind Schafe, da sind Menschen. Menschen sind in diesem Bild Schafe mit Erfahrung &#8211; und ohne Vertrauen in ihren Hirten. Schafe stehen f\u00fcr viele Menschen als Sinnbild f\u00fcr Sanftmut, Einfalt und Naivit\u00e4t. Sanftm\u00fctig sein, das geht ja noch &#8211; aber einf\u00e4ltig und naiv? Wer einf\u00e4ltig und naiv genannt wird, der f\u00fchlt sich beleidigt. Auch wer als \u201cSchaf\u201d bezeichnet wird, ist davon meist wenig geschmeichelt. Ich hatte beim Nachdenken \u00fcber die Predigt \u00fcberlegt, ob ich euch am Anfang mit \u201cLiebe Schafherde\u201d anreden sollte. So als Gag. Ich hab es dann sein gelassen, weil ich damit niemandem auf den Huf treten wollte.<\/p>\n<p>Kurzum: Das Konzept von Jesus scheint gescheitert. Die <i>Menschen<\/i>, die sein Wort h\u00f6ren, haben kein Interesse daran, sich selbst als Schafe zu sehen. Au\u00dferdem ist sein Bild von Schafen zu positiv. Die meisten Schafe haben kein pers\u00f6nliches Interesse an ihrem Sch\u00e4fer. Die meisten Schafe kommen zu dem, der mit dem Futtereimer klappert. Das haben Schafe und Menschen gemeinsam &#8211; sie streben zum Futter, sie streben zum Gl\u00fcck, sie streben zu den tollsten Versprechen, ohne einen Blick dahinter zu werfen \u2026 Politiker machen sich das \u00fcbrigens im Wahlkampf zunutze.<\/p>\n<p>Aber Jesus spricht von <i>seinen <\/i>Schafen, die mit ihm verbunden sind. Das sind nicht die meisten, sondern es sind <i>seine<\/i>. Das sind diejenigen, die ihm vertrauen, weil er sein Leben gegeben hat, um sie vor den W\u00f6lfen zu sch\u00fctzen. Er ist auferstanden; die Balken seines Kreuzes sind Stecken und Stab geworden, die seine Herde tr\u00f6sten und ihr Mut machen. Welcher Zaun, welche Grenze, welcher Stacheldraht sollte uns vor W\u00f6lfen sch\u00fctzen, wenn er uns nicht einmal vor uns selbst sch\u00fctzt &#8211; vor unserer eigenen Angst vor dem Fremden, vor der Welt da drau\u00dfen?<\/p>\n<p>Die Schafe, deren Hirte sie so sehr liebt, dass er sein Leben f\u00fcr sie gibt. Die Schafe, die den Geist des Hirten haben. Die Schafe, die im Kreuz ihres Hirten Stecken und Stab sehen, mit denen der Hirte sie vor dem B\u00f6sen und selbst vor dem Tod besch\u00fctzt. Die Schafe, deren Hirte auferstanden ist, um unsichtbar bei ihnen zu sein. Diese Schafe sind nicht naiv. Sie sind nicht dumm. Doch sie sind sanftm\u00fctig. Sie sind Schafe und sie bleiben Schafe, denn sie sind gerne Schafe; sie haben den einen Hirten, den sie lieben und der sie liebt.<\/p>\n<p>Es ist zum Verzweifeln! Schafe, die nicht nur \u201ceinen guten\u201d, sondern den besten Hirten haben, den es geben kann, wollen keine Schafe mehr sein. Im Bl\u00f6ken auf der \u00fcberf\u00fcllten Weide h\u00f6ren sie die Stimme ihres Sch\u00e4fers nicht mehr. Sie haben Angst vor W\u00f6lfen, die l\u00e4ngst vertrieben sind. Sie haben Sorge, dass ihre Weide nicht f\u00fcr sie und die anderen ausreicht. Sie haben kein Vertrauen und f\u00fchlen sich nicht mehr sicher, sie bauen Z\u00e4une, Mauern und Grenzen auf. Die eine Herde wird geteilt und der eine Hirte wird geteilt. Aus Schafen werden Menschen und aus manchen Menschen sind wieder W\u00f6lfe &#8211; W\u00f6lfe innerhalb der Z\u00e4une und Grenzen.<\/p>\n<p>In der Kirche geht es darum, die Stimme des Hirten zu h\u00f6ren, sich mit ihr vertraut zu machen, sie wiederzuerkennen und auf sie zu antworten. Unser Hirte kennt uns und er spricht uns an. Er kennt uns und er nennt uns bei unserem Namen und wir sind sein. Er weidet alle seine Schafe auf gr\u00fcner Aue und f\u00fchrt sie zum frischen Wasser. Sein Stecken und Stab lassen alle Angst \u00fcberwinden; machen Mauern, Z\u00e4une und Grenzen unn\u00fctz. Machen Sorgen, Zweifel und Misstrauen unn\u00fctz. Schaut nach rechts und nach links, vor euch und hinter euch. Der gute Hirte hat uns gerufen, Teil seiner einen gro\u00dfen Herde zu sein, wo die Schafe auch noch zerstreut oder schon gesammelt sein m\u00f6gen &#8211; in Amerika, in Afrika, in Asien. Seine Herde braucht keine Z\u00e4une und keine Grenzen, sondern sie muss offen und zug\u00e4nglich sein f\u00fcr alle, die er hinzuruft. Mutig und getr\u00f6stet, weil Stecken und Stab tr\u00f6sten und Mut machen.<\/p>\n<p>Und der Friede Gottes, der h\u00f6her ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte l\u00e4sst sein Leben f\u00fcr die Schafe. 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