{"id":103,"date":"2015-03-27T04:05:40","date_gmt":"2015-03-27T03:05:40","guid":{"rendered":"http:\/\/fight-errorism.de\/kanada\/?p=103"},"modified":"2015-03-28T06:27:36","modified_gmt":"2015-03-28T05:27:36","slug":"passionsandacht-zu-psalm-22","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/fight-errorism.de\/kanada\/passionsandacht-zu-psalm-22\/","title":{"rendered":"Passionsandacht zu Psalm 22"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Ich schreie, aber meine Hilfe ist ferne. Mein Gott, des Tages rufe ich, doch antwortest du nicht, und des Nachts, doch finde ich keine Ruhe. Du aber bist heilig, der du thronst \u00fcber den Lobges\u00e4ngen Israels. Unsere V\u00e4ter hofften auf dich; und da sie hofften, halfst du ihnen heraus. Zu dir schrien sie und wurden errettet, sie hofften auf dich und wurden nicht zuschanden. Sei nicht ferne von mir, denn Angst ist nahe; denn es ist hier kein Helfer. Aber du, HERR, sei nicht ferne; meine St\u00e4rke, eile, mir zu helfen! (Ps 22,2-6.12.20)<!--more--><\/p><\/blockquote>\n<p>Liebe Schwestern und Br\u00fcder,<\/p>\n<p>der 22. Psalm gilt als einer der dunkelsten Psalmen. Der erste Vers, den wir gebetet haben, ist das Gebet Jesu am Kreuz: Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen? Tats\u00e4chlich ist dieser Satz in seiner Schw\u00e4rze nicht zu \u00fcbertreffen. Es ist nicht mehr die suchende Frage: Gott, wo bist Du? Die Frage legt auch nicht das eigene Leiden in Gottes Hand: Gott, warum handelst Du so an mir? Nein, die Frage setzt die Einsicht voraus: Gott hat mich verlassen. Sinnlos. Ich bin ganz ausgeliefert an meine Feinde, an das Leiden und an den Tod.<\/p>\n<p>K\u00f6nnen Sie sich vorstellen, wie jemand dahin kommt, dass er sagen kann: Gott hat mich verlassen?<\/p>\n<p>Wenn jemand seine ganze Habe verliert, seine Gesundheit, seinen Partner oder seine Kinder &#8211; k\u00f6nnte er dann sagen: \u201cGott hat mich verlassen.\u201d? Hiob erging es so, ihm wurde alles genommen, was er war und was er hatte, wie es ihm zuvor von Gott gegeben worden war. Aber Hiob wagte es nicht zu sagen, Gott h\u00e4tte ihn verlassen. Er sagte genau das Gegenteil! \u201cGott ist&#8217;s, der mein Herz mutlos gemacht, und der Allm\u00e4chtige, der mich erschreckt hat; denn nicht der Finsternis wegen muss ich schweigen, und nicht, weil Dunkel mein Angesicht deckt.\u201d, so spricht Hiob. Selbst das un\u00fcbertreffbare Leiden Hiobs bedeutet f\u00fcr ihn nicht, dass Gott ihn verlassen h\u00e4tte. Sondern es bedeutet f\u00fcr ihn, dass ihn Gottes Hand schwer dr\u00fcckt, dass er seufzen muss. Hiob ist das Vorbild des leidenden Gerechten. Als Gerechter ist er an Gott ausgeliefert.<\/p>\n<p>Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen? Das ist das Gebet Jesu am Kreuz. Es ist nicht das Gebet des Gerechten, der \u00fcber Gottes schwere Hand klagt, die ihn dr\u00fcckt. Sondern es ist das Gebet desjenigen, auf dem die S\u00fcnde der Welt lastet. Christus, der ohne S\u00fcnde war, stirbt als S\u00fcnder und nicht als Gerechter. Er hat die S\u00fcnde auf sich genommen. Allein deshalb betet er, dass Gott ihn verlassen hat. Nicht sein Leiden, sondern die S\u00fcnde der Welt, die auf ihm liegt, trennt ihn von Gott, macht ihn zum Gottverlassenen. Wo war Gott, als sein Sohn nach ihm rief? Er war bei uns. Und ist es noch.<\/p>\n<p>Der 22. Psalm nimmt eine hoffnungsvolle Wendung. In der Gottverlassenheit vertraut der Beter auf Gottes Gnade und Zuwendung, wie Gott seinem Volk auch zuvor schon geholfen hat. Wir m\u00fcssen aufpassen. Oft wird in der Kirche versucht, die Passionszeit zu feiern, als w\u00fcrde Ostern nie kommen &#8211; als w\u00fcssten wir nicht, dass Christus auferstanden ist. Viele halten sich in der Passionszeit am Leiden Jesu fest und schwelgen darin. Das legt sich auch bei diesem Psalm nahe. Es scheint sehr leicht zu fallen, sich und sein eigenes Leiden mit dem Leiden des Psalmbeters zu identifizieren, eigenes Leiden als Gottverlassenheit zu deuten. Doch die Frage: Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?, kann nicht mehr unsere Frage sein. Nie mehr. Gott hat uns die Frage entrissen, als sein Sohn dies am Kreuz fragte und f\u00fcr uns als S\u00fcnder starb.<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen den Psalm heute noch lesen als das Gebet Jesu am Kreuz und im Tod. Durch ihn erinnert uns Gott daran, dass er uns nicht mehr verl\u00e4sst und niemals verlassen will. Nicht etwa, weil wir gerecht w\u00e4ren, wie Hiob. Sondern weil wir S\u00fcnder sind und sein Sohn unsere S\u00fcnde tr\u00e4gt, die allein uns von ihm trennen k\u00f6nnte. Gott ist bei uns. Dazu hat Gott Christus verlassen: Um bei uns sein zu k\u00f6nnen und nie mehr von uns zu weichen. Wir sind nicht mehr ausgeliefert, nicht an Leiden, nicht an Krankheit, nicht an den Tod &#8211; nie mehr. Das ist die Liebe Gottes zu uns in Jesus Christus. Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p>Herr, unser Gott, in den dunkelsten Stunden unseres Lebens k\u00f6nnen wir darauf vertrauen, dass Du bei uns bist. Nicht Krankheit, nicht Leid, nicht Armut und nicht Tod k\u00f6nnen uns mehr von Dir trennen. F\u00fchre uns in dieser Gewissheit in ein Leben voller Freude und Dankbarkeit. Lass uns mit ganzem Herzen und mit ganzem Gem\u00fct auf Deine Liebe und Zuwendung vertrauen, die uns niemals mehr alleine l\u00e4sst. Sei bei denen, die zweifeln und stehe denen bei, die verzweifeln. Sei bei denen, die trauern, sei bei den Angeh\u00f6rigen der Opfer des Flugzeugabsturzes in Frankreich. Sei bei den Verantwortlichen in Politik, Wissenschaft und Gesellschaft, dass ihre Entscheidungen dem Wohl der Menschen zugute kommen. Sei bei allen, die in Deiner Kirche Dienst tun, die zu Deiner Ehre musizieren, die Dein Wort verk\u00fcndigen und die Dich in ihrem Alltag bezeugen. St\u00e4rke sie in ihrem Dienst, dass Dein Evangelium \u00fcberall auf der Erde auf fruchtbaren Boden falle und alle Menschen zu Dir ziehe. Darum bitten wir Dich durch Jesus Christus, Deinen Sohn und unseren Bruder. Amen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Ich schreie, aber meine Hilfe ist ferne. Mein Gott, des Tages rufe ich, doch antwortest du nicht, und des Nachts, doch finde ich keine Ruhe. Du aber bist heilig, der du thronst \u00fcber den Lobges\u00e4ngen Israels. 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